|
|
|
|
MarinekleinkampfmittelWaffen u. Einsatz
Italienisches Kleinschnellboot läuft nach dem Torpedoangriff auf KuK-Kriegsschiffe ab (1917)
Erste Einsätze
Die Italiener und Briten setzten im 1. Weltkrieg erstmalig erfolgreich kleine Motor-Torpedo-Boote gegen größere Kriegsschiffe und Truppentransporter ein. Vor dem 2. Weltkrieg entwickelte und erprobte Italien neue Kleintorpedoboote (MAS), funkgesteuerte und bemannte Sprengboote und funkgelenkte Flugzeuge als Sprengladungsräger. Schließlich wurden auch italienische Kampfschwimmereinheiten gebildet. Neue Atemgeräte mit geschlossenem Kreislauf ermöglichten blasenfreies Tauchen und damit unbemerkte Annäherung der Froschmänner an feindliche Schiffe in Häfen und auf Reeden. 1940 setzte Italien erstmals erfolgreich bemannte Sprengboote gegen die Royal Navy ein.
Es folgte der Einsatz von Kampfschwimmern und bemannten Torpedos gegen den brit. Haupthafen la Valetta auf Malta. Wieder erzielten die Italiener spektakuläre Kampferfolge. Mehrere brit. Großkampfschiffe flogen in die Luft oder wurden schwer beschädigt.
Italienische Kleinschnellboote neuer Bauart (1943) wurden auch von der KM eingesetzt (1944-45).
Die Kleinkampfmitteleinheiten der königlich-italienischen Flotte wurden in der berühmten X. Flottille MAS zusammengefaßt, später noch durch Fallschirmjäger (Schutztruppe) ergänzt. Beim Zusammenbruch 1943 blieb die X. Flottille auf deutscher Seite und wurde in die Marine der Streitkräfte der neuen Repupplica Sociale Italiana (R.S.I.) eingereiht. Zu selbständigen oder corporierten Einsätzen mit deutschen Marinekleinkampfeinheiten (K-verband der KM) ist es nicht mehr gekommen.
Verfehlte deutsche Endkriegplanung
Die Reichsmarine entwickelte Ende der 20er Anfang der 30er Jahre die Schnellboote. Sonstige Entwicklungen von Kleinkampfmitteln erfolgten bis 1943 nicht. Erst die Erfolge der Italiener (Sprengboote, Torpedoreiter, Kampfschwimmer) und die drohende Invasion des Kontinents durch die Anglos führten zur Entwicklung deutscher Kleinkampfmittel. Der Kleinkampfmittelverband der Deutschen Kriegsmarine (K-Verband) bildete sich ab 1943 nach dem Vorbild der berühmten italienischen X. Flottille MAS. Der K-Verband setzte Kampfschwimmer, Bemannte Torpedoträger NEGER, Sprengboote und Klein-U-Boote BIBER ein. Am Ende des Krieges operierten deutsche Kampfschwimmer in den deutschen Flüßen. Bedeutendere Kampferfolge gelangen dem K-Verband nicht. Als einziges größeres Kriegsschiff wurde ein polnischer Kreuzer durch ein Klein-U-Boot BIBER versenkt. Dennoch konnten die Klein-U-Boote bis Kriegsende eine große Anzahl feindlicher U-Jagdeinheiten binden.
TORNADO-Sprengboot (Projekt). Als Antrieb diente ein Argus-Pulsoschubrohr (335 kp). Höchstgeschwindigkeit: 46 kn. 700 kg Ladung.
Die Klein-U-Boote BIBER lehnten sich im Entwurf an klassische U-Boote (tauchfähige Torpedoträger an. Vorbild war das brit. Kleinst-U-Boot Welman-Craft. Eines dieser Boote war von der KM erbeutet worden und diente als Versuchsträger. Beim BIBER handelte sich um 1-Mann-Boote. Für Überwasserfahrtfahrt diente ein LKW-Motor (Opel Blitz) mit 32 WPS, für Unterwasserfahrt als E-Motor ein Torpedoantrieb mit 13 WPS. Zwei Torpedo G7 53,3 cm wurden seitlich am Rumpf mitgeführt. Die 9 m langen Boote bewährten sich im Fronteinsatz, waren aber zu langsam (5 bis 6 kn) und hatten zu geringen Fahrbereich (125 sm über, nur 8 sm unter Wasser). Verbesserte 2-Mann-Boote (BIBER II und III) mit Kreislaufmotor wurden aufgegeben, weil zu groß.
Kleinst-U-Boot BIBER. Ein formal sehr gelungener Entwurf. Ein Einsatz bewährten sich die Boote weniger.
Am 1.5 45 wurden allen drei Versuchsboote mit allen Plänen und Teilen zerstört.
oben: Kleinst-U-Boot KLEINER DELFIN (1944-45). Nur drei Versuchstypen gebaut.
Kleinst-Motor-Torpedoboote. Überlegungen der Luftwaffe, die britische Heimatflotte in ihren Stützpunkten mit Kleinst-Torpedo-Booten anzugreifen, führten zur Entwicklung lufttransportfähiger Boote. Als Transportflugzeug sollten Lastensegler (Gotha Go 242) später kleinere Transportflugzeuge (Gotha Go 244) mit Heckladerampe eingesetzt werden. Die Kleinst-Torpedoträger sollten über die Heckladerampe des Transporters innerhalb der Torpedonetzsperren im Tiefstflug über dem Wasser abgesetzt werden und sofort angreifen. Der geplante Angriff wurde nicht durchgeführt.
Bemannter Torpedoträger NEGER. Der NEGER war kein U-Boot, konnte im Seegang nur fast völlig unterschneiden. Reichweite 30 sm bei 3 kn. Der Torpedo G7 mit halber Batteriekapazität hatte 3 000 m RW bei 20 kn. Wegen hoher Verluste und mangelnder Ziele bei Kriegsende nicht mehr eingesetzt.
KS Hydra bei der Erprobung
Insgesamt hat die Kriegsmarine erst zu einem späten Zeitpunkt Sonderwaffen entwickelt. Viele Neuentwicklungen (z.B. leistungsfähige automatische Flakwaffen, neue Gleittorpedos, drahtgelenkte und zielsuchende sensorische Seetorpedos, katapultfähige Seezielflugkörper Hs 293, kleine FK Rochen) wurden zu spät entwickelt. In 1944 konzentrierte sich die Marine ganz auf die neuen großen U-Boote der Klasse XXI (erstes echtes Unterseeboot der Welt). Bei Kriegsende wurden von den Werften sogar noch Unterseetransportbehälter für V2-Seefernraketen (A4) gebaut, je drei Behälter sollten von einem U-Boot der Klasse XXI vor die US-Küste geschleppt und gegen Landziele (New York, Boston) eingesetzt werden. Die stromlinienförmigen Zylinder enthielten die komplette Raketen mit Treibstoff und integrierter Startapparatur. Binnen weniger Minuten konnten die Raketen auf Hoher See schußbereit gemacht und abgefeuert werden. Mit den neuen Seefernraketen hätten mögliche USA-Atombombenangriffe gegen deutsche Großstädte im Sommer 1945 mit den erwarteten neuen deutschen 8 kg Atomsprengköpfen (siehe Bericht über die deutsche Atombombe in der Deutschen Militärzeitung, DWZ, 12/2001) und den streng geheimen neuartigen chemischen Kampfmitteln (Nervengase Tabun, Sarin) beantwortet werden können.
Nachkriegsentwicklung in West und Ost
Die Bundesmarine und die Volksmarine bildeten Kampfschwimmer- und Minentauchereinheiten und hätten Kleinkriegsmittel einsetzen können. Nur die Volksmarine entwickelte Kleinschnellboote, die in der Klasse 131 den höchsten Stand erreichte. Bei der Entwicklung dieser Boote gab es aber Probleme mit dem Antrieb.
KS 131 der DDR
Die Entwicklung von KS (TF-Boot) in der BRD wurde aufgegeben, die taktisch-technisch interessante Lösung des taufähigen TF-Bootes Bauart Wendel (1945) nicht aufgegriffen, ebenso wie die vom BMVtd geförderte vielversprechende Entwicklung und geplante Einführung von Bodeneffektfahrzeugen Klasse B und C (Wing in Ground Crafts, WIG) Bauart A. Lippisch (X-117) gestoppt. Die interessante Technologie der WIG und die Möglichkeit des Einsatzes unbemannter Geräte als Zieldarsteller (Drohne), unbemannter Waffenträger und sensorischer Seeauflärer wurde damit abgebrochen. Weder in der DDR noch in der BRD wurden brauchbare Klein-U-Boote und andere innovative Kleinkriegmittel (z.B. Gleitflächen-Sprengboote) geschaffen, die in der Ostsee vielfältige operationelle Möglichkeiten gefunden hätten und die Schlagkraft der Küstenstreitkräfte Neutraler (Schweden, Finnen) hätten steigern können.
Aussichten
Marinekleinkampfmittel sind sehr geeignet zur Kampfkraftsteigerung kleiner Küstenstreitkräfte (Kleine Kampfboote, Küstenartillerie, Seeluftkomponente) im Bereich der stark zergliederten langen Küste, vorgelagerter Inseln (Schären) und größerer Seenplatten und bilden eine leicht mobilisierbare Mob-Reserve. Kleinkampfmitteleinheiten (KS, Sprengboote etc.) können von Marinereservisten oder Angehörigen der Marinemiliz bemannt, gewartet und instand gesetzt werden. Kleinkampfmittel können echte strategische Wirkung haben. Von Seeflugbooten (Amphibien), kleinen und großen Landtransportflugzeugen und Bodeneffektfahrzeugen (WIG) über große Distanzen eingeflogene KS, WIGs und Sprengboote, sind echte Raidfahrzeuge, die bei Bedarf mit Besatzung an Bord (!) luftabsetzbar und ggf. tauchfähig sein können. Damit sind überraschende Angriffe von KS- und Sprengboot-Rotten (Geschwadern), Absetzen von Fernspähtrupps, Sabotagetrupps und Raideinheiten (Commands) und Einsatz von Abstandswaffen (Lenktorpedos, FK Schiff/Schiff, Bordmaschinenwaffen) und Minen gegen Küstenziele (Reeden, Häfen, Marinedepots, Werften, RADAR-Stationen, Küstenflugplätze etc.) und küstennahe Ziele weltweit möglich.
Bodeneffektgeräte (WIGs) eignen sich als Ersatz für die teuren S-Boote
Auch kleine Transportflugzeuge mit Heckrampe eignen sich zum Lufttransport von KS.
Neue Technologien von tauchfähigen WIGs und Unterwasserfahrzeuge (Brennstoffzelle, Sterlingmotore) und ungewöhnlichen Design (z.B. Rochen, Deltatflügel, Nurflügler) sind möglich.
+++ |