Emblem der X. Flottille MAS



X. Flottille MAS


Marine-Spezialeinheiten (Kampfschwimmer, Kleinkampfmittel)


Königliche Marine Italiens

1940-43


Autonomer Verband (Division) der Kriegsmarine der RSI

1943-45


Angriff eines bemannten Sprengbootes auf den schweren Kreuzer HMS York in der Sudabucht auf Kreta 1941 (dt. Propagandaillustrierte SIGNAL, 1941)


  1. Einleitung


Der Einsatz von Kleinkampfmitteln und Kampfschwimmern hat in der italienischen Marine eine lange Tradition. Eine Marinetaucherschule entstand schon 1849 in Genua.

Am Ende des Ersten Weltkrieg wurden italienische Kleinschnellboote (Motor-Torpedo-Boote) erfolgreich gegen Großkampfschiffe der KuK-Flotte (Linienschiffe) in der Adria eingesetzt. Die taktischen Wirkungsmöglichkeiten der kleinen Boote blieben aber beschränkt. Die Boote hatten wenig Seefestigkeit und geringe Seeausdauer und eigneten sich nur für nächtliche Überraschungsangriffe im engeren Küstenbereich.

Kleinschnellboot S.V.A.N.

Die italienischen Schnellboote (MAS) wurden nach dem Ersten Weltkrieg weiterentwickelt.

Zwar waren die MAS Serie 500 mit 42 kn + schnell. Aber die leichten Boote waren weiter wenig seefest und von geringer Seeausdauer. Die Vergaser-Motore (aus Flugmotoren entwickelte Bootsmotore, Isotta-Fraschini) waren beschuß- und brandempfindlich und die Schußwaffenausrüstung (13,2 mm Fla-MG, später eine 20 mm Flak) zu schwach, um bei Tageseinsätzen im Küstenmeer feindliche Flugzeuge oder Motor-Torpedo-Boote abzuwehren. Bei Kriegseintritt Italiens im Frühjahr 1940 wurden die MAS-Einheiten in kleinen Küstenhäfen stationiert und gegen Fliegersicht getarnt. Erst einmal blieben Einsatzerfolge aus. Später konnten die MAS bei einer nächtlichen Unternehmung einen schweren britischen Kreuzer versenken.


  1. Die X. Flottille MAS im Krieg


1. Einsatz 1940-43


Italien bildete schon vor Kriegsausbruch Kampfschwimmer für Spezialeinsätze aus und entwickelte Kleinschnellboote (MAS), bemannte Torpedos (BT, ital.: SLC-Geräte), bemannte Sprengboote, Klein-U-Boote, funkgelenkte Flugzeuge (Drohnen) gegen Schiffsziele. Nach Kriegsausbruch kamen die Kampfschwimmer und einige der Kleinkampfmittel erfolgreich zum Einsatz.

Bootsführerabzeichen der MAS-Spezialeinheiten


Als Einsatzverband diente der Königlichen Marine die X. Flottille MAS (MTB-Flottille, Tarnbezeichnung der zusammengefaßten Marine-Spezialkräfte). Von Juni 1940 bis September 1943 versenkten Kommandos und Einheiten der Flottille Marineschiffe mit mehr als 70 000 ts und Handelschiffe von mehr als 130 000 ts, darunter die britischen Schlachtschiffe HMS Queen Elizabeth und HMS Valiant, den schweren Kreuzer HMS York, die Zerstörer HMS Jervis und HMS Eridge, sowie mehr als 20 Handelschiffe. Die beiden RN Schlachtschiffe wurden im Dezember 1941 von einem Kommando von fünf Kampfschwimmer (Torpedoreitern) unter Führung von Luigi Durand de la Penne im Hafen von Alexandria versenkt. Weitere Einsätze mit Kampfschwimmern (Torpedoreitern) wurden gegen Malta durchgeführt. An der Ostfront operierten die Kampfschwimmer gegen sowjetische Stützpunkte in Sewastopol und Balaklawa. In der Nähe von Jalta versenkten sie die sowjetischen U-Boote S32 und SHCH306.

Es existierten Pläne für abenteuerliche Fernoperationen (z.B. gegen die USA). Diese kamen aber nicht zur Durchführung.


2. Einsatz 1943-45


Der Waffenstillstand am 8. September 1943 führte zur Spaltung der X. Flottille. Einige Einheiten im Süden gingen zu den Alliierten über. Die Masse der Angehörigen der Flottille blieb unter ihrem Flottillenchef Junio Valerio Borghese (genannt der Schwarze Prinz) auf deutscher Seite. Die geplante Auflösung der X. Flottille konnte Borghese durch eine gewagte Aktion verhindern. Er mobilisierte seine Leute und drohte auf jeden zu schießen, der sich den Kasernen nähere. Schließlich wurde der Auflösungsbefehl widerrufen. Anschließend reiste Borghese durch Italien und sammelte ehemalige Flottillenangehörige und Freiwillige aus der Marine und anderen Armeeeinheiten für die neue Truppe. Diese bildete als X. Division einen autarken Verband der Marine-Spezialkräfte und unterstand weder dem Kommando der RSI-Streitkräfte (Marine) noch der Wehrmacht.

Angehörige der X. Division DECIMAS. Typisch sind die kragenlose Sahara-Uniform, Baretts und Rollkragenpullover.

Die X. Division bestand nicht nur aus Kampfschwimmern und anderen Marinespezialkräften, sondern bildete auch drei regimentsstarke Kampfgruppen (mit je drei Bataillonen) und andere Truppenteile für Erdkampfeinsätze. *) Vergleichbar der X. Division wurde auch der Kleinkampfmittelverband (K-Verband) der Deutschen Kriegsmarine (ab 1943) ein autarker Verband.


In Tarent entstand unter alliierter Kontrolle eine Spezialeinheit der ehem. X. Flottille, die mit SLC-Geräten Angriffe auf norditalienische Häfen (u.a. Angriff auf den fast fertiggestellten Flugzeugträger Aquila) durchführte. Die Truppe wurde ab 1944 von Luigi Durand de la Penne geführt, der beim Angriff in Alexandria in britische Kriegsgefangenschaft geraten war. Luigi Durand de la Penne erhielt nach dem Krieg für seinen Einsatz in Alexandria einen Orden und brachte es bis zum Admiral.



X. Decimas (Division)


Der Haupteil der Regia Marina ging zu den Alliierten über. Eigentlich sollte die Flotte die alliierten Landungsstreitkräfte angreifen und vernichten. Die italienischen Admirale zogen aber den feigen Verrat vor. Sie lieferten die von Benito Mussolini geschaffene stolze Flotte Italiens kampflos den Allierten aus oder befahlen die Zerstörung oder Fahruntüchtigmachung der zurückgebliebenen schwimmenden Einheiten in den Häfen. Badoglio selbst hatte die Auslieferung der Flotte im Waffenstillstansdabkommen zugesagt und damit seine Ehrlosigkeit als Soldat unter Beweis gestellt. Die US-Amerikaner und Briten, die stolze Marinesoldaten waren, hatten für dieses feige Verhalten der Italiener nur Verachtung.

Der Flottenbefehlshaber Admiral Bergamini kommandierte das stolze italienische Flottenflaggschiff Roma, einen modernen Schlachtkreuzer von 35 000 ts.

Der Admiral war wegen der Auslieferung der Flotte in Nöten und wollte sie lieber nach Spanien in die Internierung führen. Während der Fahrt nach Süden wurde die Flotte von deutschen Seekampfflugzeugen Do 217 mit ferngelenkten panzerbrechenden Bomben FX (PC-1400) angegriffen und das Flottenflaggschiff mit Admiral Bergamini und 2 000 Mann Besatzung nach zwei Treffern (die 2. Bombe fiel direkt in den Schornstein) versenkt.

Einige nicht fahrtüchtige Kreuzer, Zerstörer, T- und U-Boote, kleinere Einheiten, wurden von der Kriegsmarine und der Marine der RSI übernommen.

Weibliche Kriegsfreiwillige der X. Flottille (Division) bei der Vereidigung (nach einem Propagandafoto).


Die beiden im bau befinden modernen italienischen Flugzeugträger Aquila und Sparviero fielen der Wehrmacht in die Hände, konnten bis Kriegsende aber nicht in Fahrt gebracht werden.

Der größte Teil der Marine der RSI wurde von der "Divisione Decima" (Träger war die X. MAS-Flottille für Einsatz von Kampfschwimmern und Marinekleinkampfmitteln) gebildet. Am Morgen des Waffenstillstandes bot der Kommandant der X. MAS, Prinz Junio Valerio Borghese, genannt der Schwarze Prinz,

dem deutschen lokalen Befehlshaber seine und seiner Truppe Dienste an. In den Wochen danach reiste Borghese durch Italien und sammelte ehemalige Angehörige der X. Flottille für die neue Truppe. Bei Begründung der RSI sollte die Decima eigentlich aufgelöst werden. Aber Borghese und seiner Männer bedrohten jeden mit Erschießen, der sich ihren Kasernen nähere. Der Auflösungsbefehl wurde rückgängig gemacht und die X. in die Marine der RSI aufgenommen. Die Truppe blieb sogar aus der zentralen Führungsstruktur der Armee der RSI und der Deutschen Wehrmacht heraus. - Der K-Verband der KM (ab 1943) erhielt einen ähnlichen autarken Status.

Die X. war eine unabhängige Kraft der Armee der RSI und kämpfte mit Mut und Selbstvertrauen. Sie kämpfte gegen US- und britische Kräfte bei Anzio, dann in Nordostitalien gegen Italiener und jugoslawische Partisanen.


Die Divisione Fanteria di Marina "Decima" war wie folgt organisiert:

1. Kampf-Gruppe

Fusiliers Btl "Barbarigo"

Fusiliers Btl "Lupo"

Btl "Nuotatori-Paracadutisti" (2 Einheiten Kampfschwimmer und 3 Fallschirmjäger)

ArtillerieBtl "Colleoni"

1. Einheit P.Btl "Freccia"


2. Kampf-Gruppe

Fusiliers Btl "Fulmine"

Fusiliers Btl "Sagittario"

Gebirgsangriff Pi.Btl "Valanga" (Lawine)

Rekruten Btl "Castagnacci"

Artillerie Btl "Da Giussano"

Gebirgsartillerie Btl "San Giorgio"

Pionier Btl "Freccia" (2. und 3. Einheit)


Unabhängige Truppenteile und -einheiten:

Füsilier

Btl "Risoluti"

Btl "Giobbe"

Btl "Longobardo"

Btl "Pegaso"

Btl "San Giusto"

Btl "Scire '

Btl"Serenissima"

Btl "Vega"

weitere Einheiten


Sonstige:

Schulen der Kampfschwimmer, andere Marine-Spezialkräfte.


Andere Einheiten der Kriegsmarine der RSI:

Minenleger-Flottille in Venedig.

Sicherungseinheiten Bordeaux, Frankreich, verteidigt durch "Divisione Atlantica Fucilieri di Marina" (3 Marineeinheiten und 1 Art Bttr)

Eine UAW-Flottille mit einigen MAS (schnelle U-Jagdboopte).

Eine Klein-U-Boot-Flottille "Longobardo" mit 22 Booten.

Andere kleinere Einheiten.


3. Verbot und Wiederaufbau der Marine-Spezialkräfte


Nach dem Krieg verboten die Alllierten die italienischen Kampfschwimmer und Kleinkampfmittel. Es wurde aber eine geheime Kampfschwimmerschule betrieben und die Ausbildung wieder aufgenommen. Die Kampfschwimmer betätigten sich als „Marinetaucher“ beim Minenräumen, Hebung von Wracks, Munitionsbergung und ähnliches. Nach Aufhebung des alliierten verbots wurde eine neue Spezialeinheit der Marine (Raggruppoamento Subaquei e Incursori „Teseo Tesei“) begründet und eine Kampfschwimmerschule in Venedig (Varignano) eingerichtet. An die neue Einheiten (später als COMSUBIN bezeichnet) gingen alle Auszeichnungen der X. Flottille.



    Fürst Borghese – der Schwarze Prinz.


Fürst Junio Valerio Scipione Borghese

* 6 Juni 1906 in Rom, + 26. August 1974 in Cadiz.

Marineoffizier und Politiker.

Borghese stammte aus einer angesehenen römischen Adelsfamilie. Sein Vater war Diplomat. So verbrachte der Sohn einen großen Teil seiner Kindheit im Ausland (China, Ägypten, Spanien, Frankreich, Grossbritannien). 1922 wurde Borghese in die Marineakademie Livorno aufgenommen. 1928 wurde er Leutnant zur See. Er diente auf mehreren schwimmenden Einheiten, ab 1932 auf U-Booten.

Bei Kriegsausbruch war Borghese Kommandant des U-Boote Vettor Pisani. Er nahm an den Seegefechten bei Punta Stilo und Gibraltar teil. 1941 übernahm er das U-Boot Scire, das der X. MAS für Sondereinsätze zugeteilt wurde. Mit diesem Boot führte Borghese den Einsatz von Luigi Durand de la Penne gegen Alexandria durch. Ab Mai 1943 führte Borghese die X. Flottille MAS.

Beim Waffenstillstand am 8. September 1943 ging Borghese zum deutschen Marinekommando Ligurien und bot seine Zusammenarbeit an.

Am 26. April 1945 wurde die X. Flottille MAS (X. Division) aufgelöst. Borghese geriet in alliierte Kriegsgefangenschaft. 1949 wurde er zu zwölf Jahren Haft verurteilt, kam aber durch Protektion des US-Geheimdienstes OSS umgehend wieder frei. Anschließend betätigte sich Borghese in der neofaschistischen MSI. Er wurde 1951 deren Ehrenvorsitzender. Die MSI erschien Borghese aber zu schwach. So verließ er die MSI und gründete 1968 seine eigene Partei (Fronte Nazionale) mit militanten Kräften der Außerparlamentarischen Rechten.

Mit Parteifreunden, hohen Beamten und Offizieren, soll Borghese in der Nacht vom 7. auf den 8. Dezember 1970 einen Staatsstreich versucht haben. Die Geheimdienste und Politiker sollen davon gewußt haben.

Nach dem Putsch, den er selbst abgebrochen haben soll, ging Borghese ging ins spanische Exil, wo er 1974 starb.






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